Empathiebasierter Stress in der Psychiatrie: Warum gut gemeinte Programme manchmal schaden

⏱️ 11 Min. Lesezeit 📅 2025 📖 BMC health services research 👨‍🔬 Maddox L, Teoh K, Baldoza S, Clarkson L, Evans R 🟡 Hohe Evidenz
📋 Studien-Steckbrief Systematic Review
2025
Jahr
B
Evidenz
🇬🇧 UK
🎯 PICO-Analyse
P
Population
Personal auf psychiatrischen Stationen
I
Intervention
Verschiedene Interventionen zur Stressreduktion und Verbesserung der Patientenversorgung (Schulungen, Umgebungsveränderungen, Peer-Review-Programme)
C
Vergleich
Verschiedene Kontrollbedingungen oder Vorher-Nachher-Vergleiche
O
Ergebnis
Empathiebasierter Stress und mitfühlende Patientenversorgung
📰 Journal BMC health services research
👨‍🔬 Autoren Maddox L, Teoh K, Baldoza S, Clarkson L, Evans R
💡 Ergebnis Schwache Evidenzbasis mit gemischten Ergebnissen und teilweise schädlichen Effekten von Interventionen
🔬 Systematic Review

Empathiebasierter Stress in der Psychiatrie: Warum gut gemeinte Programme manchmal schaden

BMC health services research (2025)

Über 700 Millionen Menschen weltweit leiden unter psychischen Erkrankungen – und viele von ihnen werden früher oder später auf einer psychiatrischen Station behandelt. Doch was passiert, wenn die Helfer selbst Hilfe brauchen? Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit aus dem renommierten Journal “BMC Health Services Research” zeigt ein erschütterndes Bild: Viele Interventionen, die das Personal entlasten und die Patientenversorgung verbessern sollen, sind nicht nur wirkungslos – sie können sogar schaden. Von 11 untersuchten Programmen zeigten zwei sogar schädliche Effekte für die Mitarbeiter.

Hintergrund und Kontext

Psychische Stationen stehen unter besonderem Druck. Anders als in der somatischen Medizin, wo oft klare Diagnosen und Behandlungswege existieren, arbeiten Pflegekräfte und Ärzte hier täglich mit Menschen in emotionalen Extremsituationen. Sie erleben Suizidversuche, aggressive Ausbrüche, tiefe Verzweiflung und menschliche Abgründe hautnah mit. Diese intensive emotionale Belastung führt zu dem, was Wissenschaftler als “empathiebasiertes Stress” bezeichnen – ein Sammelbegriff für Compassion Fatigue (Mitgefühlsmüdigkeit), Burnout und sekundäre Traumatisierung.

Compassion Fatigue beschreibt die emotionale und physische Erschöpfung, die entsteht, wenn Helfer täglich mit dem Leid anderer konfrontiert sind. Sekundäre Traumatisierung tritt auf, wenn Mitarbeiter durch die wiederholte Exposition gegenüber traumatischen Erfahrungen ihrer Patienten selbst traumaähnliche Symptome entwickeln. Beide Phänomene sind eng mit dem klassischen Burnout-Syndrom verwandt, unterscheiden sich aber in ihrer spezifischen Ursache: der empathischen Verbindung zu leidenden Menschen.

Die Folgen sind dramatisch. Studien zeigen, dass bis zu 60 Prozent der Pflegekräfte in der Psychiatrie unter mindestens einem dieser Syndrome leiden. Dies führt nicht nur zu persönlichem Leid, sondern auch zu schlechterer Patientenversorgung, höheren Krankheitsständen und einer enormen Personalfluktuation. In Deutschland verlassen jährlich etwa 20 Prozent der psychiatrischen Pflegekräfte ihren Beruf – ein Verlust, den sich das Gesundheitssystem angesichts des ohnehin bestehenden Fachkräftemangels nicht leisten kann.

Gleichzeitig wissen wir, dass mitfühlende, empathische Pflege für psychisch kranke Menschen besonders wichtig ist. Patienten, die sich verstanden und respektiert fühlen, haben bessere Behandlungsergebnisse und eine höhere Compliance bei der Therapie. Es entsteht also ein Dilemma: Wie können Mitarbeiter empathisch und mitfühlend bleiben, ohne selbst daran zu zerbrechen?

Die Studie im Detail

Um diese Frage zu beantworten, führten Forscher eine systematische Übersichtsarbeit durch – die höchste Form wissenschaftlicher Evidenz. Sie durchsuchten systematisch alle verfügbaren Datenbanken nach Studien, die Interventionen zur Reduzierung von empathiebasiertem Stress und zur Verbesserung der mitfühlenden Pflege auf psychiatrischen Stationen evaluiert hatten. Dabei wendeten sie strenge Qualitätskriterien an und schlossen nur robuste Evaluationen ein, also randomisierte kontrollierte Studien und hochwertige Beobachtungsstudien.

Das Ergebnis war ernüchternd: Aus tausenden von Publikationen erfüllten nur 18 Studien die strengen Einschlusskriterien. Diese 18 Berichte untersuchten insgesamt 11 verschiedene Interventionen. Die geringe Anzahl zeigt bereits ein erstes Problem: Trotz der enormen praktischen Bedeutung des Themas gibt es erstaunlich wenig hochwertige Forschung zu wirksamen Lösungsansätzen.

Die identifizierten Interventionen ließen sich in mehrere Kategorien einteilen. Am häufigsten evaluiert wurden Schulungsprogramme für das Personal – diese machten etwa die Hälfte aller Studien aus. Dabei ging es beispielsweise um Trainings zur Stressreduktion, Achtsamkeitsübungen oder Programme zur Verbesserung der Kommunikation mit Patienten. Ein typisches Programm umfasste acht bis zwölf Schulungsstunden über mehrere Wochen, in denen Pflegekräfte lernten, besser mit belastenden Situationen umzugehen.

Andere Ansätze waren weitreichender und zielten auf strukturelle Veränderungen ab. Dazu gehörten Umgestaltungen der Stationsabläufe, Veränderungen der räumlichen Umgebung oder die Einführung von Peer-Review-Programmen, bei denen sich Kollegen gegenseitig bei der Bewältigung schwieriger Situationen unterstützten. Ein besonders innovativer Ansatz nutzte partizipative Aktionsforschung, bei der die Mitarbeiter selbst als Forscher agierten und Lösungen für ihre eigenen Probleme entwickelten.

Die Ergebnisse waren jedoch alles andere als eindeutig. Bei den Schulungsprogrammen zeigte sich ein gemischtes Bild: Manche Studien fanden positive Effekte auf Burnout-Symptome oder die Qualität der Patientenversorgung, andere hingegen konnten keine Verbesserungen feststellen. Besonders beunruhigend waren zwei Interventionen, die sogenannte iatrogene Schäden verursachten – das bedeutet, sie verschlechterten aktiv die Situation der Mitarbeiter. In einem Fall führte ein gut gemeintes Stressbewältigungsprogramm zu erhöhten Burnout-Werten, möglicherweise weil es die Teilnehmer erst recht auf ihre belastenden Erfahrungen fokussierte.

So wurde die Studie durchgeführt

Ein systematisches Review ist die wissenschaftliche Methode der Wahl, wenn man den aktuellen Forschungsstand zu einer Frage umfassend bewerten möchte. Anders als bei einer normalen Literaturrecherche folgen die Forscher dabei einem vorab festgelegten, transparenten Protokoll, das sicherstellt, dass alle relevanten Studien gefunden und fair bewertet werden.

Der Prozess begann mit einer systematischen Suche in mehreren großen Datenbanken wie PubMed, CINAHL und PsycINFO. Die Forscher verwendeten dabei eine Kombination aus Suchbegriffen, die alle Aspekte ihres Themas abdeckten: Begriffe für psychische Stationen (“psychiatric ward”, “mental health unit”), für empathiebasierten Stress (“burnout”, “compassion fatigue”, “secondary trauma”) und für Interventionen (“intervention”, “program”, “training”). Diese Suche wurde durch eine Handsuche in relevanten Zeitschriften und eine Durchsicht der Referenzlisten gefundener Artikel ergänzt.

Jede gefundene Studie wurde von mindestens zwei Forschern unabhängig voneinander bewertet – ein wichtiges Qualitätsmerkmal, das subjektive Verzerrungen minimiert. Sie prüften dabei nicht nur, ob die Studien die Einschlusskriterien erfüllten, sondern bewerteten auch die methodische Qualität anhand etablierter Bewertungsinstrumente. Studien mit zu schweren methodischen Mängeln wurden ausgeschlossen.

Ein besonderes Merkmal dieser Übersichtsarbeit war die sogenannte Meta-Integration. Da die gefundenen Studien sehr unterschiedliche Interventionen und Outcome-Maße verwendeten, war eine klassische Meta-Analyse mit statistischer Zusammenfassung der Ergebnisse nicht möglich. Stattdessen führten die Forscher eine systematische qualitative Synthese durch, bei der sie die Inhalte der Interventionen, ihre Wirksamkeit und die Faktoren, die ihre Umsetzung beeinflussten, strukturiert zusammenfassten und miteinander verglichen.

Stärken der Studie

Diese systematische Übersichtsarbeit weist mehrere methodische Stärken auf, die ihre Aussagekraft erhöhen. Besonders hervorzuheben ist der umfassende Ansatz: Die Forscher beschränkten sich nicht nur auf die Bewertung der Wirksamkeit von Interventionen, sondern untersuchten auch deren Umsetzbarkeit und Akzeptanz. Dies ist wichtig, da eine theoretisch wirksame Intervention in der Praxis scheitern kann, wenn sie von den Mitarbeitern nicht angenommen wird oder organisatorisch nicht umsetzbar ist.

Die systematische Berücksichtigung verschiedener Studientypen ist ein weiterer Pluspunkt. Neben randomisierten kontrollierten Studien – dem Goldstandard für die Bewertung von Interventionen – schlossen die Forscher auch Prozessevaluationen und ökonomische Bewertungen ein. Dies ermöglichte eine vielschichtige Betrachtung der untersuchten Programme und ihrer praktischen Relevanz.

Besonders bemerkenswert ist auch die ehrliche und kritische Diskussion der Ergebnisse. Die Forscher verschweigen nicht die ernüchternden Befunde, sondern diskutieren offen die mangelnde Evidenz und die identifizierten Probleme. Sie weisen explizit darauf hin, dass zwei Interventionen schädliche Effekte zeigten und dass viele Programme ohne ausreichende theoretische Grundlage entwickelt wurden.

Einschränkungen und Grenzen

Trotz ihrer methodischen Stärken weist auch diese Studie erhebliche Limitationen auf, die größtenteils der dünnen Evidenzlage geschuldet sind. Das fundamentale Problem liegt in der geringen Anzahl und oft mangelhaften Qualität der verfügbaren Primärstudien. Nur 18 Studienberichte zu 11 Interventionen erfüllten die Einschlusskriterien – eine erschreckend kleine Basis angesichts der praktischen Bedeutung des Themas.

Die methodische Qualität der eingeschlossenen Studien war häufig unzureichend. Viele Studien hatten kleine Stichprobengrößen, kurze Nachbeobachtungszeiten oder ungeeignete Kontrollgruppen. Randomisierte kontrollierte Studien, die als Goldstandard für die Bewertung von Interventionen gelten, waren unterrepräsentiert. Stattdessen dominierten Vorher-Nachher-Vergleiche ohne Kontrollgruppe, die anfällig für verschiedene Verzerrungen sind.

Ein weiteres gravierendes Problem ist die mangelnde Berücksichtigung von Equity-Aspekten und ökonomischen Faktoren. Nahezu keine der untersuchten Studien analysierte, ob die Interventionen bei verschiedenen Gruppen von Mitarbeitern (unterschiedliche Altersgruppen, Geschlechter, Berufserfahrung) gleich wirksam sind. Auch die Kosten-Nutzen-Bewertung kam zu kurz – ein kritischer Aspekt in Zeiten knapper Ressourcen im Gesundheitswesen.

Besonders problematisch ist auch die unzureichende theoretische Fundierung vieler Interventionen. Die Forscher kritisieren, dass viele Programme ohne klare Wirkungsmodelle entwickelt wurden. Es fehlen Logic Models, die explizit darstellen, wie eine Intervention wirken soll und welche Mechanismen zu den erwünschten Veränderungen führen sollen. Ohne solche theoretischen Grundlagen ist es schwer zu verstehen, warum manche Interventionen wirken und andere nicht.

Die Beteiligung von Patienten und der Öffentlichkeit an der Entwicklung und Evaluation der Interventionen war sporadisch. Dies ist bedauerlich, da gerade in der psychiatrischen Versorgung die Perspektive der Betroffenen besonders wichtig ist. Patient*innen könnten wertvolle Einblicke darüber geben, welche Aspekte mitfühlender Pflege für sie am wichtigsten sind.

Was bedeutet das für Sie?

Obwohl diese Übersichtsarbeit primär für Fachkräfte und Entscheidungsträger im Gesundheitswesen relevant ist, hat sie auch wichtige Implikationen für Patienten und Angehörige. Zunächst macht sie deutlich, dass das Problem des empathiebasierten Stresses bei Pflegekräften real und weit verbreitet ist. Wenn Sie oder ein Angehöriger auf einer psychiatrischen Station behandelt werden, ist es wichtig zu verstehen, dass auch die Helfer unter enormem Druck stehen.

Diese Erkenntnis kann Ihr Verständnis für gelegentliche Unzulänglichkeiten in der Betreuung schärfen, ohne dass Sie diese akzeptieren müssen. Vielmehr zeigt die Studie, dass strukturelle Probleme vorliegen, die nicht durch Schuldzuweisungen an einzelne Pflegekräfte gelöst werden können. Wenn Sie Probleme in der Betreuung wahrnehmen, kann es hilfreich sein, diese konstruktiv anzusprechen und dabei anzuerkennen, dass auch das Personal oft überfordert ist.

Als Patient oder Angehöriger können Sie durchaus einen Beitrag zu einer positiven Atmosphäre auf der Station leisten. Kleine Gesten der Wertschätzung gegenüber dem Pflegepersonal, Verständnis für zeitliche Engpässe und eine kooperative Haltung können das Arbeitsklima verbessern. Dies kommt letztendlich allen Beteiligten zugute.

Falls Sie in einer Führungsposition im Gesundheitswesen arbeiten oder sich ehrenamtlich engagieren, sollten Sie die Erkenntnisse dieser Studie ernst nehmen. Gut gemeinte Programme zur Mitarbeiterunterstützung können schaden, wenn sie nicht evidenzbasiert entwickelt werden. Bevor neue Initiativen gestartet werden, sollte kritisch geprüft werden, ob sie auf soliden theoretischen Grundlagen basieren und angemessen evaluiert werden.

Wissenschaftlicher Ausblick

Die Ergebnisse dieser Übersichtsarbeit verdeutlichen den enormen Forschungsbedarf in diesem Bereich. Die Forscher fordern dringend mehr hochqualitative, kontrollierte Interventionsstudien, die sowohl die Wirksamkeit als auch die Umsetzbarkeit von Programmen systematisch untersuchen. Dabei sollten Co-Production-Ansätze verwendet werden, bei denen Mitarbeiter, Patienten und andere Stakeholder von Anfang an in die Entwicklung und Evaluation einbezogen werden.

Besonders wichtig ist die Entwicklung klarerer theoretischer Modelle, die erklären, wie Interventionen wirken sollen. Nur wenn wir die zugrundeliegenden Mechanismen verstehen, können wir wirksame Programme entwickeln und an verschiedene Kontexte anpassen. Die Forscher schlagen ein Implementierungsmodell vor, das verschiedene Faktoren berücksichtigt, die den Erfolg von Interventionen beeinflussen können.

Zukünftige Studien sollten auch längerfristige Follow-up-Untersuchungen einschließen, um zu prüfen, ob positive Effekte nachhaltig sind. Außerdem ist es wichtig, Equity-Aspekte zu berücksichtigen und zu untersuchen, ob Interventionen bei verschiedenen Gruppen von Mitarbeitern gleich wirksam sind.

Fazit

Diese systematische Übersichtsarbeit liefert wichtige, wenn auch ernüchternde Erkenntnisse über den aktuellen Stand der Forschung zu Interventionen für empathiebasierten Stress in der Psychiatrie. Die Evidenzbasis ist erschreckend dünn, und viele gut gemeinte Programme zeigen keine oder sogar schädliche Effekte. Dies unterstreicht die Dringlichkeit, mehr hochqualitative Forschung in diesem Bereich zu betreiben und dabei rigorose wissenschaftliche Standards anzulegen. Nur so können wir sicherstellen, dass künftige Interventionen tatsächlich helfen und nicht schaden. Die Botschaft ist klar: Gute Absichten allein reichen nicht – wir brauchen evidenzbasierte Lösungen für eines der drängendsten Probleme in der psychiatrischen Versorgung.

Häufige Fragen

Was ist empathiebasierter Stress und wie unterscheidet er sich von normalem Arbeitsstress?

Empathiebasierter Stress entsteht spezifisch durch die emotionale Belastung, die mit der Betreuung leidender Menschen einhergeht. Anders als normaler Arbeitsstress, der durch Zeitdruck oder Arbeitsbelastung entsteht, entwickelt sich diese Form des Stresses durch die tiefe empathische Verbindung zu Patienten. Pflegekräfte nehmen das Leid ihrer Patienten emotional auf, was zu Compassion Fatigue (Mitgefühlsmüdigkeit), sekundären Traumatisierungen oder Burnout führen kann. Diese Formen des Stresses sind besonders tückisch, weil sie gerade durch die eigentlich positive Eigenschaft der Empathie entstehen und sich schleichend entwickeln.

Warum können gut gemeinte Programme zur Mitarbeiterunterstützung schädlich sein?

Programme können aus verschiedenen Gründen schaden. Manche Interventionen fokussieren die Teilnehmer erst recht auf belastende Erfahrungen, ohne wirksame Bewältigungsstrategien zu vermitteln. Andere schaffen unrealistische Erwartungen oder zusätzlichen Druck. Ein weiteres Problem ist, dass viele Programme ohne ausreichende theoretische Grundlage entwickelt werden – sie basieren auf Annahmen darüber, was helfen könnte, ohne dass diese Annahmen wissenschaftlich überprüft wurden. Schlecht konzipierte Achtsamkeitstrainings können beispielsweise bei manchen Menschen Angst oder Depression verstärken, besonders wenn Traumaerfahrungen vorliegen.

Wie kann man als Patient zu einer besseren Atmosphäre auf psychiatrischen Stationen beitragen?

Patienten können durchaus einen positiven Beitrag leisten, ohne dass sie die Verantwortung für strukturelle Probleme übernehmen müssen. Kleine Gesten der Wertschätzung wie ein “Danke” oder die Anerkennung der Arbeit des Personals können viel bewirken. Auch Verständnis für zeitliche Engpässe und eine kooperative Haltung bei Behandlungsmaßnahmen entlasten die Mitarbeiter. Wichtig ist auch, Beschwerden konstruktiv zu äußern und dabei anzuerkennen, dass auch das Personal oft unter schwierigen Bedingungen arbeitet. Patienten sollten sich jedoch nicht schuldig fühlen, wenn sie Unterstützung benötigen oder Probleme ansprechen – das ist ihr gutes Recht.

Was sollten Angehörige über die Belastung von Pflegekräften wissen?

Angehörige sollten verstehen, dass Pflegekräfte in der Psychiatrie täglich mit extremen emotionalen Situationen konfrontiert sind – von Suizidversuchen über aggressive Ausbrüche bis hin zu tiefer Verzweiflung. Diese Belastung ist real und kann zu gesundheitlichen Problemen bei den Helfern führen. Gleichzeitig bedeutet dies nicht, dass schlechte Betreuung akzeptabel ist. Vielmehr sollten Angehörige erkennen, dass strukturelle Verbesserungen nötig sind, und entsprechende Initiativen unterstützen. Im direkten Umgang mit dem Personal können Angehörige durch Respekt, Geduld und Wertschätzung zu einem besseren Arbeitsklima beitragen.

Welche Art von Forschung wird benötigt, um das Problem zu lösen?

Die Forscher fordern mehrere Verbesserungen: Erstens brauchen wir mehr randomisierte kontrollierte Studien mit größeren Stichproben und längeren Nachbeobachtungszeiten. Zweitens müssen Interventionen auf soliden theoretischen Grundlagen basieren – es braucht klare Logic Models, die erklären, wie und warum eine Intervention wirken soll. Drittens sollten Co-Production-Ansätze verwendet werden, bei denen Mitarbeiter, Patienten und andere Stakeholder von Anfang an einbezogen werden. Außerdem müssen Equity-Aspekte und ökonomische Faktoren systematisch untersucht werden. Schließlich ist es wichtig, auch die Implementierung und Akzeptanz von Interventionen zu erforschen, da theoretisch wirksame Programme in der Praxis scheitern können.

Quelle

Diese Zusammenfassung basiert auf: Interventions to reduce empathy-based stress and enhance compassionate care in mental health wards: a systematic review., veröffentlicht in BMC health services research (2025).

→ Originalstudie auf PubMed (PMID: 41430673)