Ketogene Diät vs. Intervallfasten: 12-Monats-Studie zeigt unterschiedliche Wirkungen auf Gehirnhormone

⏱️ 13 Min. Lesezeit 📅 2026 📖 Nutrients 👨‍🔬 Monda A, Casillo M, Allocca S, Moscatelli F, La Marra M et al. 🟠 Moderate Evidenz
📋 Studien-Steckbrief RCT
30
Teilnehmer
12 Monate
Dauer
2026
Jahr
C
Evidenz
🇮🇹 Italien
🎯 PICO-Analyse
P
Population
Erwachsene mit Adipositas (BMI ≥ 30 kg/m²)
I
Intervention
Ketogene Diät vs. 16:8-Intervallfasten vs. 5:2-Fasten
C
Vergleich
Drei verschiedene Diätstrategien untereinander verglichen
O
Ergebnis
BMI, Körperfettanteil, metabolische Parameter und Orexin-A-Spiegel
📰 Journal Nutrients
👨‍🔬 Autoren Monda A, Casillo M, Allocca S, Moscatelli F, La Marra M et al.
🔬 Typ RCT
💡 Ergebnis Ketogene Diät zeigte langfristig stärkste metabolische Verbesserungen, 16:8-Fasten schnellste frühe Erfolge und stabilste Orexin-A-Erhöhung
🔬 RCT

Ketogene Diät vs. Intervallfasten: 12-Monats-Studie zeigt unterschiedliche Wirkungen auf Gehirnhormone

Nutrients (2026)

Einführung

Wussten Sie, dass verschiedene Diätformen nicht nur unterschiedlich auf das Gewicht wirken, sondern auch ganz verschiedene Signalwege im Gehirn aktivieren? Eine neue zwölfmonatige Studie hat erstmals systematisch untersucht, wie drei beliebte Ernährungsstrategien – die ketogene Diät, das 16:8-Intervallfasten und das 5:2-Fasten – nicht nur den Stoffwechsel, sondern auch ein wichtiges Gehirnhormon namens Orexin-A beeinflussen. Die Ergebnisse zeigen überraschende Unterschiede: Während die ketogene Diät langfristig die stärkste Gewichtsreduktion erzielte, führte das 16:8-Intervallfasten zu den schnellsten anfänglichen Verbesserungen und den stabilsten Veränderungen bei den Gehirnhormonen.

Hintergrund und Kontext

Adipositas betrifft weltweit mehr als 650 Millionen Erwachsene und gilt als einer der wichtigsten Risikofaktoren für Diabetes, Herzerkrankungen und andere schwerwiegende Gesundheitsprobleme. In der Suche nach effektiven Behandlungsansätzen haben sich in den letzten Jahren zwei Hauptstrategien herauskristallisiert: die ketogene Diät, bei der die Kohlenhydrate drastisch reduziert werden, um den Körper in einen fettverbrennenden Zustand zu versetzen, und das Intervallfasten, bei dem nicht was, sondern wann gegessen wird, im Vordergrund steht.

Die ketogene Diät funktioniert über einen fundamentalen Umbau des Energiestoffwechsels. Normalerweise nutzt unser Körper Glucose aus Kohlenhydraten als Hauptenergiequelle. Werden diese jedoch stark reduziert – meist auf unter 50 Gramm täglich –, beginnt die Leber, Fettmoleküle in sogenannte Ketonkörper umzuwandeln, die dann als alternative Energiequelle dienen. Dieser Zustand, Ketose genannt, soll nicht nur zur Gewichtsreduktion führen, sondern auch entzündungshemmend wirken und die Insulinresistenz verbessern.

Das Intervallfasten hingegen nutzt die natürlichen Rhythmen des Körpers. Beim 16:8-Protokoll wird täglich nur in einem achtstündigen Fenster gegessen, gefolgt von 16 Stunden Fasten. Das 5:2-Modell erlaubt an fünf Tagen der Woche normale Nahrungsaufnahme, während an zwei Tagen die Kalorienzufuhr auf etwa 500-600 Kalorien begrenzt wird. Diese Ansätze sollen die Autophagie – den zellulären “Aufräumprozess” – ankurbeln und die Insulinsensitivität verbessern.

Bisher fehlte jedoch eine systematische Langzeitstudie, die diese Ansätze direkt miteinander verglich und dabei auch die Auswirkungen auf das Gehirn untersuchte. Besonders interessant ist dabei Orexin-A, ein Neuropeptid, das im Hypothalamus produziert wird und eine Schlüsselrolle bei der Regulation von Hunger, Wachheit und Energiestoffwechsel spielt. Orexin-A-Spiegel sind bei Menschen mit Adipositas oft verändert, aber wie verschiedene Diätstrategien dieses wichtige Gehirnhormon langfristig beeinflussen, war bisher weitgehend unbekannt.

Die Studie im Detail

Für diese wegweisende Untersuchung rekrutierten Forscher 30 Erwachsene mit Adipositas, definiert als Body-Mass-Index (BMI) von mindestens 30 kg/m². Das mag auf den ersten Blick nach einer kleinen Teilnehmerzahl klingen, ist aber für eine so aufwendige und lange Interventionsstudie durchaus angemessen. Alle Probanden wurden zufällig in eine von drei Gruppen eingeteilt: die ketogene Diät-Gruppe, die 16:8-Intervallfasten-Gruppe (TRF16:8) oder die 5:2-Fasten-Gruppe (ADF5:2).

Die ketogene Diät-Gruppe reduzierte ihre Kohlenhydrataufnahme auf weniger als 50 Gramm täglich, was etwa zwei Scheiben Brot entspricht. Stattdessen sollten 70-80 Prozent der Kalorien aus Fetten und 15-20 Prozent aus Proteinen stammen. Die 16:8-Gruppe durfte nur zwischen 12:00 und 20:00 Uhr essen, während die 5:2-Gruppe an zwei nicht aufeinanderfolgenden Tagen pro Woche ihre Kalorienzufuhr auf etwa ein Viertel des normalen Bedarfs reduzierte.

Das Bemerkenswerte an dieser Studie war ihre außergewöhnlich hohe Compliance-Rate: Alle 30 Teilnehmer schlossen die zwölfmonatige Intervention ab – ein fast unerhörter Erfolg in der Diätforschung. Die Forscher führten umfangreiche Messungen durch, darunter Körpergewicht, Körperfettanteil, Blutzuckerwerte, Cholesterinspiegel, Entzündungsmarker und – als Hauptneuheit – regelmäßige Bestimmungen des Orexin-A-Spiegels im Blut.

Die Ergebnisse zeigten deutliche Unterschiede zwischen den drei Ansätzen. Die ketogene Diät erwies sich als der langfristige Gewinner: Nach zwölf Monaten hatten diese Teilnehmer die stärkste Reduktion des BMI, des Körperfettanteils, des Nüchtern-Blutzuckers und des Gesamtcholesterins erreicht. Die Gewichtsreduktion war nicht nur statistisch signifikant, sondern auch klinisch relevant – ein wichtiger Unterschied, da statistisch messbare Veränderungen nicht automatisch praktisch bedeutsam sind.

Überraschend war jedoch, dass das 16:8-Intervallfasten in den ersten Monaten die schnellsten Verbesserungen zeigte. Diese Gruppe erreichte bereits nach drei Monaten beachtliche Erfolge bei Gewicht und Stoffwechselmarkern. Noch interessanter war die Beobachtung, dass die 16:8-Gruppe die konsistenteste und stabilste Erhöhung der Orexin-A-Spiegel über den gesamten Studienzeitraum aufwies.

Die 5:2-Fasten-Gruppe zeigte moderate Verbesserungen in allen gemessenen Parametern, lag aber sowohl bei der Gewichtsreduktion als auch bei den metabolischen Veränderungen zwischen den beiden anderen Gruppen. Interessant war, dass in allen drei Gruppen höhere Orexin-A-Spiegel mit Markern für verbesserte metabolische Flexibilität und reduzierte Entzündungswerte korrelierten.

So wurde die Studie durchgeführt

Diese Untersuchung folgte dem Goldstandard der medizinischen Forschung: einem randomisierten kontrollierten Trial (RCT). Aber was bedeutet das eigentlich? Bei einem RCT werden die Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip verschiedenen Behandlungsgruppen zugeteilt – wie beim Münzwurf entscheidet der Zufall, nicht der Forscher oder der Teilnehmer, wer welche Behandlung erhält. Dieses Verfahren eliminiert systematische Verzerrungen und macht die Ergebnisse besonders aussagekräftig.

Der Begriff “kontrolliert” bedeutet, dass verschiedene Interventionen miteinander verglichen werden. In diesem Fall wurden drei aktive Behandlungen verglichen, was methodisch noch anspruchsvoller ist als der Vergleich mit einer Placebo-Gruppe. Jede der drei Diätformen diente gleichzeitig als Kontrolle für die beiden anderen, wodurch sich direkte Vergleiche über die Wirksamkeit anstellen lassen.

Die Forscher führten regelmäßige Messungen durch: zu Beginn der Studie, dann nach drei, sechs, neun und zwölf Monaten. Bei jedem Termin wurde nicht nur das Gewicht gemessen, sondern auch Blutproben entnommen, um Glucose, Cholesterin, Entzündungsmarker und vor allem Orexin-A zu bestimmen. Die Körperzusammensetzung wurde mittels bioelektrischer Impedanzanalyse bestimmt – einem Verfahren, bei dem schwacher Strom durch den Körper geleitet wird, um den Anteil von Fett- und Muskelmasse zu ermitteln.

Besonders bemerkenswert war das umfassende Monitoring der Teilnehmer. Jeder erhielt regelmäßige Ernährungsberatung und führte Ernährungstagebücher. Bei der ketogenen Gruppe wurde zusätzlich regelmäßig der Ketonspiegel im Urin gemessen, um sicherzustellen, dass die Teilnehmer tatsächlich in Ketose waren. Die Intervallfasten-Gruppen dokumentierten ihre Essenszeiten präzise.

Die statistische Auswertung berücksichtigte die wiederholten Messungen über die Zeit und korrigierte für Mehrfachtestung – ein wichtiges Verfahren, um falsch-positive Ergebnisse zu vermeiden. Die Forscher verwendeten auch Mediationsanalysen, um zu untersuchen, ob die beobachteten Zusammenhänge zwischen Orexin-A und anderen Parametern möglicherweise kausaler Natur sind.

Stärken der Studie

Diese Studie weist mehrere methodische Stärken auf, die ihre Aussagekraft erheblich erhöhen. Zunächst ist die zwölfmonatige Studiendauer außergewöhnlich lang für eine Interventionsstudie dieser Art. Viele Diät-Studien laufen nur wenige Wochen oder Monate, wodurch wichtige langfristige Effekte übersehen werden. Gerade bei Gewichtsreduktionsstrategien sind langfristige Daten entscheidend, da viele Ansätze zunächst erfolgreich erscheinen, aber langfristig versagen.

Die 100-prozentige Compliance-Rate ist bemerkenswert und spricht für ein excellentes Studiendesign und eine intensive Betreuung der Teilnehmer. Typischerweise brechen in Diät-Studien 20-40 Prozent der Teilnehmer vorzeitig ab, was die Aussagekraft der Ergebnisse erheblich schmälern kann. Die Tatsache, dass alle Teilnehmer durchhielten, deutet darauf hin, dass die Interventionen praktikabel und tolerierbar waren.

Der innovative Fokus auf Orexin-A als neuroendokrinen Marker ist wissenschaftlich wertvoll. Während die meisten Diät-Studien sich auf klassische Stoffwechselparameter wie Gewicht, Blutzucker und Cholesterin beschränken, erweitert diese Studie unser Verständnis darüber, wie verschiedene Ernährungsstrategien das Gehirn und seine Appetitregulation beeinflussen. Orexin-A ist ein vielversprechender Biomarker für metabolische Gesundheit, der in zukünftigen Studien eine wichtige Rolle spielen könnte.

Die Verwendung multipler statistischer Verfahren, einschließlich der Korrektur für Mehrfachtestung, erhöht die Zuverlässigkeit der Ergebnisse. Viele Studien versäumen es, ihre statistischen Tests entsprechend anzupassen, wenn sie viele verschiedene Parameter gleichzeitig untersuchen, was zu einer Inflation falsch-positiver Ergebnisse führen kann.

Einschränkungen und Grenzen

Trotz ihrer Stärken weist diese Studie auch wichtige Limitationen auf, die bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigt werden müssen. Die offensichtlichste Begrenzung ist die kleine Stichprobengröße von nur 30 Teilnehmern, aufgeteilt in drei Gruppen von jeweils zehn Personen. Diese Zahlen sind zwar für eine erste explorative Studie angemessen, aber zu klein, um definitive Schlussfolgerungen über die Überlegenheit einer Diätform zu ziehen.

Kleine Stichproben haben mehrere Nachteile: Sie haben eine geringe statistische Power, das heißt, sie können nur sehr große Unterschiede zwischen den Gruppen zuverlässig entdecken. Subtilere, aber möglicherweise wichtige Unterschiede werden übersehen. Außerdem ist die Generalisierbarkeit eingeschränkt – es bleibt unklar, ob die Ergebnisse auch für andere Bevölkerungsgruppen, unterschiedliche Altersgruppen oder Menschen mit anderen Gesundheitszuständen gelten.

Ein weiteres methodisches Problem ist das Fehlen einer echten Kontrollgruppe. Alle drei Gruppen erhielten aktive Interventionen, aber keine Gruppe setzte ihre gewohnte Ernährungsweise fort. Dadurch lässt sich nicht beurteilen, wie groß die Effekte im Vergleich zu gar keiner Intervention gewesen wären. Dies ist besonders relevant, da alle Teilnehmer intensive Betreuung und regelmäßige Kontakte erhielten, was allein schon zu Verbesserungen führen kann.

Die Studie war außerdem nicht verblindet, das heißt, sowohl Teilnehmer als auch Forscher wussten, wer welche Diät befolgte. Bei Interventionsstudien mit Lebensstilveränderungen ist eine Verblindung praktisch unmöglich, aber sie kann zu Placebo-Effekten und unbewussten Verzerrungen führen. Teilnehmer könnten sich anders verhalten, wenn sie wissen, dass sie eine “besondere” Diät befolgen.

Die Forscher räumen selbst ein, dass ihre Mediationsanalysen explorativ und nicht kausal sind. Das bedeutet, dass die beobachteten Zusammenhänge zwischen Orexin-A-Spiegeln und anderen Parametern nicht beweisen, dass das eine das andere verursacht. Es könnte auch andere, nicht gemessene Faktoren geben, die sowohl Orexin-A als auch die metabolischen Parameter beeinflussen.

Schließlich beschränkte sich die Studie auf einen relativ kurzen Zeitraum von zwölf Monaten. Zwar ist dies für eine Interventionsstudie bereits lang, aber echte langfristige Effekte – etwa über fünf oder zehn Jahre – bleiben unbekannt. Gerade bei Gewichtsreduktionsstrategien ist der langfristige Erfolg oft das größte Problem.

Was bedeutet das für Sie?

Die Ergebnisse dieser Studie bieten wertvolle Einblicke für Menschen, die über verschiedene Ernährungsstrategien zur Gewichtsreduktion nachdenken, auch wenn sie keine direkten medizinischen Empfehlungen darstellen. Jeder der drei untersuchten Ansätze zeigte spezifische Vorteile, die bei der persönlichen Entscheidung berücksichtigt werden können.

Wenn Sie sich für eine langfristige, maximale Gewichtsreduktion interessieren, deutet die Studie darauf hin, dass die ketogene Diät möglicherweise die effektivste Option ist. Die Teilnehmer dieser Gruppe erreichten die größten Verbesserungen bei Körpergewicht, Körperfett und wichtigen Stoffwechselmarkern. Allerdings erfordert die ketogene Diät eine drastische Umstellung der Essgewohnheiten und kann besonders in den ersten Wochen mit Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder Kopfschmerzen verbunden sein.

Falls Sie eher schnelle anfängliche Erfolge bevorzugen und Ihre Mahlzeiten strukturieren möchten, ohne drastisch zu ändern, was Sie essen, könnte das 16:8-Intervallfasten interessant sein. Diese Gruppe zeigte die schnellsten frühen Verbesserungen und die stabilsten Veränderungen bei den Gehirnhormonen. Das 16:8-System ist oft einfacher in den Alltag zu integrieren, da es keine speziellen Lebensmittel erfordert, sondern nur die Zeiten begrenzt, in denen gegessen wird.

Wichtig ist jedoch zu verstehen, dass individuelle Faktoren eine große Rolle spielen. Was für eine Person funktioniert, muss nicht unbedingt für eine andere geeignet sein. Faktoren wie Lebensstil, berufliche Anforderungen, soziale Situation, Vorlieben und gesundheitliche Voraussetzungen beeinflussen, welche Diätform nachhaltig durchführbar ist.

Besonders bemerkenswert ist der Befund zu Orexin-A, auch wenn seine praktische Bedeutung noch nicht vollständig verstanden ist. Die Tatsache, dass verschiedene Diätformen unterschiedlich auf wichtige Gehirnhormone wirken, unterstreicht, dass Gewichtsverlust ein komplexer neurobiologischer Prozess ist, der weit über einfache Kalorienbilanzen hinausgeht.

Wissenschaftlicher Ausblick

Diese Studie eröffnet mehrere wichtige Forschungsrichtungen. Zunächst sind größere, längerfristige Studien nötig, um die hier gefundenen Ergebnisse zu bestätigen und ihre Bedeutung für verschiedene Bevölkerungsgruppen zu untersuchen. Besonders interessant wäre es, Menschen unterschiedlichen Alters, mit verschiedenen Ausgangsgewichten und gesundheitlichen Voraussetzungen einzubeziehen.

Die Rolle von Orexin-A als möglicher Biomarker für Diäterfolg verdient weitere Aufmerksamkeit. Zukünftige Studien könnten untersuchen, ob sich anhand der anfänglichen Orexin-A-Werte vorhersagen lässt, wer von welcher Diätform am meisten profitiert. Dies könnte zu personalisierten Ernährungsempfehlungen führen – einem vielversprechenden Ansatz der Präzisionsmedizin.

Außerdem wäre es wertvoll zu verstehen, welche spezifischen Mechanismen hinter den unterschiedlichen Orexin-A-Reaktionen stehen. Ist es die Kalorienbeschränkung, der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme, die Makronährstoffzusammensetzung oder andere Faktoren, die diese Gehirnhormone beeinflussen? Solche mechanistischen Studien könnten zu gezielteren Interventionen führen.

Fazit

Diese zwölfmonatige randomisierte Studie liefert wertvolle neue Erkenntnisse über die unterschiedlichen Wirkungen von ketogener Diät, 16:8-Intervallfasten und 5:2-Fasten bei Menschen mit Adipositas. Während die ketogene Diät langfristig die stärksten metabolischen Verbesserungen erzielte, führte das 16:8-Intervallfasten zu schnelleren frühen Erfolgen und den stabilsten Veränderungen bei wichtigen Gehirnhormonen. Die Ergebnisse unterstreichen, dass verschiedene Ernährungsstrategien unterschiedliche biologische Pfade aktivieren und dass die Wahl der optimalen Methode individuell erfolgen sollte. Aufgrund der kleinen Stichprobengröße sollten die Ergebnisse jedoch vorsichtig interpretiert werden, und größere Studien sind nötig, um diese vielversprechenden Erkenntnisse zu bestätigen.

Häufige Fragen

Warum ist Orexin-A wichtig und was macht es im Körper?

Orexin-A ist ein Botenstoff, der im Hypothalamus – einer wichtigen Schaltzentrale unseres Gehirns – produziert wird. Dieses Neuropeptid spielt eine zentrale Rolle bei der Regulation von Hunger, Wachheit und Energiestoffwechsel. Menschen mit Adipositas haben oft veränderte Orexin-A-Spiegel, was darauf hindeutet, dass dieses Hormon bei der Gewichtskontrolle eine wichtige Rolle spielt. Die Studie zeigt erstmals, dass verschiedene Diätformen unterschiedlich auf dieses wichtige Gehirnhormon wirken, was neue Einblicke in die neurologischen Grundlagen erfolgreicher Gewichtsreduktion bietet. Höhere Orexin-A-Spiegel waren in dieser Studie mit besserer metabolischer Flexibilität und weniger Entzündungen verbunden.

Kann ich die Ergebnisse auch erwarten, wenn ich nicht so stark übergewichtig bin?

Die Studie untersuchte ausschließlich Menschen mit einem BMI von mindestens 30 kg/m², was als Adipositas klassifiziert wird. Ob die Ergebnisse auch auf Menschen mit geringerem Übergewicht oder Normalgewicht übertragbar sind, ist unklar. Bei Menschen mit weniger starkem Übergewicht könnten die Effekte schwächer ausfallen, da der Stoffwechsel möglicherweise weniger gestört ist und weniger Verbesserungspotential besteht. Andererseits könnten manche Mechanismen – wie die Orexin-A-Reaktion – auch bei geringerem Übergewicht relevant sein. Für Menschen mit normalem Gewicht, die präventive Maßnahmen ergreifen möchten, sind die Erkenntnisse über die unterschiedlichen neurologischen Effekte trotzdem interessant, auch wenn konkrete Empfehlungen weitere Forschung erfordern.

Wie schwer ist es, eine ketogene Diät langfristig durchzuhalten?

Die ketogene Diät erfordert eine drastische Reduktion der Kohlenhydrate auf unter 50 Gramm täglich – das entspricht etwa zwei Scheiben Brot oder einem großen Apfel. In der Praxis bedeutet das den Verzicht auf Brot, Nudeln, Reis, die meisten Früchte und viele andere alltägliche Lebensmittel. Viele Menschen erleben anfangs die sogenannte “Keto-Grippe” mit Symptomen wie Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Reizbarkeit, bis sich der Körper an die Ketose gewöhnt hat. Die hohe Compliance-Rate in dieser Studie ist bemerkenswert, könnte aber auch der intensiven wissenschaftlichen Betreuung geschuldet sein. Langfristig kann die soziale Komponente herausfordernd sein, da viele gesellschaftliche Aktivitäten um kohlenhydratreiche Lebensmittel kreisen. Dennoch zeigen die Studienergebnisse, dass eine langfristige Durchführung möglich ist, wenn die Motivation und Unterstützung gegeben sind.

Ist das 16:8-Intervallfasten für jeden geeignet?

Das 16:8-Intervallfasten schränkt die tägliche Nahrungsaufnahme auf ein achtstündiges Fenster ein, was für viele Menschen gut in den Alltag integrierbar ist. Allerdings ist es nicht für jeden geeignet. Menschen mit Diabetes, Essstörungen in der Vorgeschichte, Schwangere oder Stillende sollten vor Beginn unbedingt ärztlichen Rat einholen. Auch bei bestimmten Medikamenten, die zu den Mahlzeiten eingenommen werden müssen, können Probleme auftreten. Manche Menschen vertragen das Auslassen des Frühstücks nicht gut und erleben Konzentrationsprobleme oder Schwindel. Die Studie zeigte zwar schnelle anfängliche Erfolge, aber individuelle Verträglichkeit und Lebensstil müssen berücksichtigt werden. Berufstätige mit unregelmäßigen Arbeitszeiten oder Menschen in Schichtarbeit könnten Schwierigkeiten haben, ein konstantes Essensfenster einzuhalten.

Was bedeuten die Ergebnisse für Menschen, die bereits andere Diäten ausprobiert haben?

Die Studie zeigt, dass verschiedene Diätansätze unterschiedliche biologische Mechanismen aktivieren, was erklären könnte, warum Menschen unterschiedlich auf verschiedene Ernährungsstrategien reagieren. Wenn Sie mit einer bestimmten Diätform nicht erfolgreich waren, bedeutet das nicht, dass Sie grundsätzlich nicht abnehmen können – möglicherweise passt nur der gewählte Ansatz nicht zu Ihrem individuellen Stoffwechsel oder Lebensstil. Die unterschiedlichen Orexin-A-Reaktionen deuten darauf hin, dass die neurologischen Grundlagen der Appetitregulation bei verschiedenen Diätformen verschieden beeinflusst werden. Dies könnte bedeuten, dass Menschen, die bei einer Methode scheiterten, bei einer anderen durchaus erfolgreich sein können. Wichtig ist jedoch, dass alle drei in der Studie untersuchten Ansätze intensive Betreuung und Motivation erforderten, und dass langfristiger Erfolg immer eine nachhaltige Verhaltensänderung voraussetzt.

Quelle

Diese Zusammenfassung basiert auf: Metabolic and Orexin-A Responses to Ketogenic Diet and Intermittent Fasting: A 12-Month Randomized Trial in Adults with Obesity., veröffentlicht in Nutrients (2026).

→ Originalstudie auf PubMed (PMID: 41599851)