Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum manche Menschen begeistert ins Fitnessstudio rennen, während andere lieber einen entspannten Spaziergang machen? Eine neue systematische Übersichtsarbeit hat 22 Studien analysiert und dabei faszinierende Unterschiede in den Sportpräferenzen verschiedener Bevölkerungsgruppen aufgedeckt. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Alter, Geschlecht und sozialer Status beeinflussen maßgeblich, welche Art von körperlicher Aktivität Menschen bevorzugen. Diese Erkenntnisse könnten der Schlüssel sein, um endlich wirksame Programme zu entwickeln, die Menschen langfristig zu mehr Bewegung motivieren.
Hintergrund und Kontext
Körperliche Aktivität gilt als eine der wichtigsten Säulen der Gesundheitsvorsorge. Regelmäßige Bewegung reduziert das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, bestimmte Krebsarten und psychische Erkrankungen erheblich. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen mindestens 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive körperliche Aktivität pro Woche. Trotz dieser klaren Empfehlungen und des breiten Bewusstseins für die gesundheitlichen Vorteile bleibt ein Großteil der Weltbevölkerung körperlich inaktiv.
Aktuelle Statistiken zeigen ein ernüchterndes Bild: Weltweit erreichen nur etwa 23 Prozent der Erwachsenen die empfohlenen Bewegungsrichtlinien. In Deutschland bewegen sich laut Robert Koch-Institut nur etwa die Hälfte aller Erwachsenen ausreichend. Diese niedrigen Teilnahmequoten trotz intensiver Aufklärungs- und Präventionsarbeit lassen vermuten, dass bisherige Ansätze zur Bewegungsförderung zu wenig auf die individuellen Bedürfnisse und Vorlieben der Menschen eingehen.
Während die meisten Gesundheitskampagnen nach dem “One-Size-Fits-All”-Prinzip funktionieren, beginnen Forscher erst seit kurzem zu verstehen, wie wichtig personalisierte Ansätze sind. Die Präferenzen für bestimmte Bewegungsformen können stark variieren – was für eine Person motivierend ist, kann für eine andere abschreckend wirken. Ein Teenager mag hochintensive Mannschaftssportarten bevorzugen, während ein 65-Jähriger eher Gefallen an ruhigeren, gelenkschonenden Aktivitäten findet. Diese individuellen Unterschiede systematisch zu erfassen und zu verstehen, war bisher jedoch eine wissenschaftliche Herausforderung.
Bisherige Studien zu diesem Thema waren oft klein, regional begrenzt oder konzentrierten sich nur auf spezifische Bevölkerungsgruppen. Was fehlte, war eine umfassende Übersicht über die Forschungslage, die alle verfügbaren Erkenntnisse zu den Bewegungspräferenzen verschiedener Gruppen zusammenführt. Genau diese Lücke schließt die vorliegende systematische Übersichtsarbeit.
Die Studie im Detail
Die Forschungsarbeit, die im renommierten Journal “Frontiers in Public Health” veröffentlicht wurde, stellt die bisher umfassendste Analyse der Bewegungspräferenzen verschiedener Bevölkerungsgruppen dar. Die Wissenschaftler durchsuchten systematisch vier große wissenschaftliche Datenbanken – PubMed, Scopus, PsycINFO und Web of Science – nach allen relevanten Studien, die seit Beginn der Datenerfassung bis September 2025 veröffentlicht wurden. Diese breite Suchstrategie stellte sicher, dass keine wichtigen Erkenntnisse übersehen wurden.
Von initial mehreren tausend identifizierten Studien erfüllten letztendlich 22 hochwertige Untersuchungen die strengen Einschlusskriterien. Diese Studien mussten validierte Instrumente zur Erfassung von Bewegungspräferenzen verwenden und sich auf die Allgemeinbevölkerung beziehen. Ausgeschlossen wurden qualitative Studien, klinische Untersuchungen und solche ohne explizite Präferenzerfassung.
Die Ergebnisse offenbarten markante Unterschiede zwischen verschiedenen demografischen Gruppen. Jüngere Menschen zeigten eine deutliche Vorliebe für hochintensive, wettkampforientierte und soziale Aktivitäten. Sie bevorzugten Sportarten wie Fußball, Basketball oder intensives Fitnesstraining in der Gruppe. Diese Präferenz lässt sich durch mehrere Faktoren erklären: Junge Menschen haben typischerweise eine höhere körperliche Leistungsfähigkeit, suchen häufiger den sozialen Kontakt und den Adrenalinstoß von Wettkämpfen.
Im Gegensatz dazu favorisierten ältere Erwachsene gelenkschonende, gesundheitsorientierte und unabhängige Bewegungsformen. Walking, Schwimmen, Tai Chi oder Yoga standen bei dieser Altersgruppe hoch im Kurs. Diese Präferenzen spiegeln die veränderten körperlichen Voraussetzungen und Lebensprioritäten wider: Gelenkprobleme, reduzierte Regenerationsfähigkeit und der Fokus auf Gesunderhaltung statt Leistungssteigerung prägen die Bewegungswahl älterer Menschen.
Auch zwischen den Geschlechtern zeigten sich ausgeprägte Unterschiede. Männer tendierten stärker zu wettkampforientierten und kraftbasierten Aktivitäten wie Gewichtheben, Kampfsport oder Ballsportarten. Frauen hingegen bevorzugten ausdauerorientierte und gruppenbasierte Aktivitäten wie Aerobic, Pilates, Tanzen oder Gruppenfitness. Diese Unterschiede könnten sowohl biologische als auch soziokulturelle Ursachen haben.
Besonders bemerkenswert waren die Erkenntnisse zu sozioökonomischen Einflüssen. Menschen mit geringerem Einkommen engagierten sich häufiger in gemeinschaftsbasierten und angeleiteten Aktivitäten. Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass solche Programme oft kostengünstig oder kostenlos angeboten werden und zudem sozialen Rückhalt bieten. Höhere Einkommensgruppen zeigten dagegen eine Präferenz für individualisierte und oft kostenintensivere Aktivitäten wie Personal Training oder Mitgliedschaften in Premium-Fitnessstudios.
So wurde die Studie durchgeführt
Ein systematisches Review, wie es in dieser Studie durchgeführt wurde, stellt die höchste Form wissenschaftlicher Evidenz dar. Im Gegensatz zu einzelnen Studien, die nur einen kleinen Ausschnitt der Realität abbilden können, fasst ein systematisches Review alle verfügbaren hochwertigen Studien zu einem Thema zusammen und analysiert sie nach strengen wissenschaftlichen Kriterien.
Die Forscher folgten den PRISMA 2020-Richtlinien – einem internationalen Standard für die Durchführung und Berichterstattung systematischer Übersichtsarbeiten. Diese Richtlinien stellen sicher, dass die Suche, Auswahl und Bewertung der Studien transparent und nachvollziehbar erfolgt. Zusätzlich registrierten die Wissenschaftler ihr Studienprotokoll vorab in der PROSPERO-Datenbank, einer internationalen Registrierungsstelle für systematische Reviews. Diese Vorab-Registrierung verhindert, dass Forscher nachträglich ihre Methoden oder Fragestellungen ändern, um gewünschte Ergebnisse zu erzielen.
Die Datenextraktion erfolgte durch zwei unabhängige Gutachter nach einem standardisierten Schema. Dieser Ansatz minimiert Fehler und Verzerrungen, da Unstimmigkeiten zwischen den Gutachtern diskutiert und gelöst werden müssen. Die Forscher extrahierten nicht nur die Hauptergebnisse, sondern auch detaillierte Informationen über die Studienpopulationen, verwendeten Instrumente und methodische Qualität jeder eingeschlossenen Studie.
Zur Bewertung der methodischen Qualität verwendeten die Wissenschaftler das AXIS-Tool, ein validiertes Instrument speziell für die Beurteilung von Beobachtungsstudien. Dieses Tool bewertet verschiedene Aspekte wie Stichprobenauswahl, Datenerhebung, statistische Methoden und potenzielle Verzerrungen. Die Qualitätsbewertung ist entscheidend, da sie hilft, die Vertrauenswürdigkeit der Ergebnisse einzuschätzen.
Aufgrund der hohen Heterogenität zwischen den Studien – unterschiedliche Populationen, Messinstrumente und Definitionen von Präferenzen – führten die Forscher Subgruppenanalysen durch. Diese separaten Analysen für verschiedene Altersgruppen, Geschlechter und sozioökonomische Schichten ermöglichten es, spezifische Muster und Trends zu identifizieren, die in einer Gesamtanalyse möglicherweise übersehen worden wären.
Die verwendeten Instrumente zur Präferenzerfassung waren alle wissenschaftlich validiert. Das Activity Preference Assessment (APA), der Decisional Preference in Exercising Test (DPEX) und der Questionnaire on Physical Activity Preferences (QPAP) wiesen in den Studien starke Reliabilität und Validität auf. Diese standardisierten Instrumente stellen sicher, dass Präferenzen objektiv und vergleichbar erfasst werden können.
Stärken der Studie
Die vorliegende systematische Übersichtsarbeit weist mehrere methodische Stärken auf, die ihre Aussagekraft erheblich erhöhen. Zunächst ist die umfassende Suchstrategie hervorzuheben: Durch die Durchsuchung von vier großen Datenbanken und den Einschluss von Studien ohne zeitliche Begrenzung konnten die Forscher sicherstellen, dass keine relevanten Untersuchungen übersehen wurden. Diese Vollständigkeit ist bei systematischen Reviews von entscheidender Bedeutung.
Die strikte Befolgung der PRISMA 2020-Richtlinien und die Vorab-Registrierung in PROSPERO unterstreichen die methodische Rigorosität der Arbeit. Diese Transparenz ermöglicht es anderen Forschern, die Methoden zu überprüfen und gegebenenfalls zu replizieren. Die Tatsache, dass zwei unabhängige Gutachter die Studienauswahl und Datenextraktion durchführten, reduziert das Risiko von Auswahl- und Interpretationsfehlern erheblich.
Besonders wertvoll ist die Fokussierung auf validierte Instrumente zur Präferenzerfassung. Viele frühere Arbeiten zu diesem Thema verwendeten selbst entwickelte, nicht validierte Fragebögen, was die Vergleichbarkeit und Aussagekraft der Ergebnisse einschränkte. Die Beschränkung auf Studien mit validierten Instrumenten erhöht die Qualität und Verlässlichkeit der Erkenntnisse deutlich.
Die differenzierte Analyse nach demografischen Subgruppen ist eine weitere methodische Stärke. Anstatt alle Studienergebnisse zusammenzufassen und dabei wichtige Unterschiede zu verwischen, haben die Forscher gezielt nach Mustern in verschiedenen Bevölkerungsgruppen gesucht. Dieser Ansatz ermöglicht es, spezifische Empfehlungen für verschiedene Zielgruppen abzuleiten.
Die Einbeziehung sozioökonomischer Faktoren erweitert das Verständnis für die Komplexität von Bewegungspräferenzen erheblich. Während viele Studien nur Alter und Geschlecht berücksichtigen, zeigt diese Arbeit, dass auch das Einkommen und der soziale Status wichtige Determinanten für die Wahl der körperlichen Aktivität darstellen.
Einschränkungen und Grenzen
Trotz ihrer methodischen Stärken weist die Studie einige wichtige Limitationen auf, die bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigt werden müssen. Die erste und vielleicht bedeutsamste Einschränkung liegt in der hohen Heterogenität der eingeschlossenen Studien. Die 22 analysierten Untersuchungen verwendeten unterschiedliche Definitionen von “Präferenzen”, verschiedene Messinstrumente und untersuchten teilweise sehr unterschiedliche Populationen.
Diese Heterogenität machte es unmöglich, eine quantitative Meta-Analyse durchzuführen – also die Ergebnisse statistisch zusammenzufassen und einen Gesamteffekt zu berechnen. Stattdessen mussten sich die Forscher auf eine narrative Synthese beschränken, die zwar wertvolle Erkenntnisse liefert, aber weniger präzise quantitative Aussagen ermöglicht. Die Unfähigkeit, Effektgrößen zu berechnen, begrenzt die Aussagekraft für die Praxis.
Ein weiteres Problem ist die geografische und kulturelle Verteilung der eingeschlossenen Studien. Die meisten Untersuchungen stammten aus westlichen, industrialisierten Ländern, während Entwicklungsländer und nicht-westliche Kulturen unterrepräsentiert waren. Dies schränkt die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere kulturelle Kontexte erheblich ein. Bewegungspräferenzen können stark von kulturellen Normen, verfügbarer Infrastruktur und traditionellen Aktivitäten beeinflusst sein.
Die Querschnittsnatur der meisten eingeschlossenen Studien ist eine weitere wichtige Limitation. Querschnittsstudien erfassen nur einen Zeitpunkt und können daher keine Aussagen über die Entwicklung von Präferenzen im Zeitverlauf machen. Es bleibt unklar, ob sich Bewegungspräferenzen mit zunehmendem Alter ändern oder ob die beobachteten Unterschiede zwischen den Altersgruppen auf Generationseffekte zurückzuführen sind.
Die Definition und Operationalisierung von “sozioökonomischem Status” variierte zwischen den Studien erheblich. Während einige Studien nur das Einkommen berücksichtigten, bezogen andere auch Bildung, Beruf oder Wohnort mit ein. Diese Inkonsistenz erschwert es, klare Schlussfolgerungen über den Einfluss sozioökonomischer Faktoren zu ziehen.
Schließlich ist zu beachten, dass die Studie nur selbstberichtete Präferenzen analysiert. Was Menschen sagen, dass sie gerne machen würden, entspricht nicht immer dem, was sie tatsächlich tun. Die Diskrepanz zwischen Präferenzen und tatsächlichem Verhalten könnte durch verschiedene Barrieren wie Zeit, Geld, Verfügbarkeit von Angeboten oder soziale Unterstützung entstehen.
Was bedeutet das für Sie?
Die Erkenntnisse dieser umfassenden Analyse haben konkrete Implikationen für alle, die ihre körperliche Aktivität steigern oder andere dabei unterstützen möchten. Zunächst zeigen die Ergebnisse, dass es keine universelle “beste” Form der Bewegung gibt – was zählt, ist die Aktivität, die zu Ihren persönlichen Vorlieben und Lebensumständen passt und die Sie langfristig durchhalten können.
Wenn Sie zu den jüngeren Erwachsenen gehören, könnten Sie von gruppenbasierten, wettkampforientierten Aktivitäten profitieren. Sportvereine, Mannschaftssportarten oder Gruppenfitness-Kurse mit spielerischen Elementen entsprechen möglicherweise eher Ihren natürlichen Neigungen als einsame Joggingrunden oder monotone Geräte-Workouts im Fitnessstudio. Die soziale Komponente kann zusätzlich motivierend wirken und zur langfristigen Bindung an die Aktivität beitragen.
Ältere Erwachsene sollten sich ermutigt fühlen, ihre Präferenz für gelenkschonende und gesundheitsorientierte Aktivitäten zu verfolgen. Walking-Gruppen, Schwimmen, Yoga oder Tai Chi sind nicht nur “Kompromisslösungen”, sondern entsprechen den natürlichen Bedürfnissen dieser Lebensphase. Die Betonung auf Gesundheit statt Leistung ist dabei völlig angemessen und gesundheitlich sinnvoll.
Für Menschen mit begrenzten finanziellen Mitteln zeigen die Ergebnisse, dass gemeinschaftsbasierte Programme besonders attraktiv sein können. Kommunale Sportangebote, Volkshochschul-Kurse oder kostenlose Outdoor-Aktivitäten bieten nicht nur eine kostengünstige Alternative, sondern auch die geschätzte soziale Unterstützung und Anleitung.
Die geschlechtsspezifischen Unterschiede sollten nicht als starre Regeln verstanden werden, sondern als Orientierungshilfe. Wenn Sie als Frau Interesse an kraftbasierten Aktivitäten haben oder als Mann gerne an Gruppenfitness teilnehmen möchten, sollten Sie diese Vorlieben unbedingt verfolgen. Die Forschung zeigt Trends auf, aber individuelle Abweichungen sind völlig normal und gesund.
Besonders wichtig ist die Erkenntnis, dass eine zu Ihren Präferenzen passende Aktivität die Wahrscheinlichkeit für langfristige Adherenz – also das Durchhalten – deutlich erhöht. Anstatt sich zu einer ungeliebten Aktivität zu zwingen, lohnt es sich, verschiedene Optionen auszuprobieren und herauszufinden, was Ihnen wirklich Freude bereitet.
Wissenschaftlicher Ausblick
Die vorliegende systematische Übersichtsarbeit eröffnet mehrere wichtige Forschungsrichtungen für die Zukunft. Ein entscheidender nächster Schritt wäre die Entwicklung kulturell adaptierter Instrumente zur Präferenzerfassung. Die meisten aktuell verfügbaren Instrumente wurden in westlichen Kontexten entwickelt und validiert. Für eine globale Anwendung bedarf es Instrumente, die kulturelle Besonderheiten, traditionelle Bewegungsformen und unterschiedliche Wertesysteme berücksichtigen.
Longitudinalstudien, die Menschen über längere Zeiträume beobachten, könnten wichtige Erkenntnisse über die Entwicklung von Bewegungspräferenzen liefern. Ändern sich die Vorlieben mit dem Alter tatsächlich, oder spiegeln die beobachteten Unterschiede zwischen den Altersgruppen unterschiedliche Generationserfahrungen wider? Diese Frage hat wichtige Implikationen für die langfristige Planung von Bewegungsprogrammen.
Die Erforschung der neurobiologischen und psychologischen Grundlagen von Bewegungspräferenzen stellt ein weiteres faszinierendes Forschungsfeld dar. Warum bevorzugen manche Menschen hochintensive Aktivitäten, während andere ruhigere Formen wählen? Welche Rolle spielen Persönlichkeit, Genetik und frühe Erfahrungen bei der Ausbildung dieser Präferenzen?
Interventionsstudien, die präferenzbasierte gegen standardisierte Programme testen, könnten den praktischen Nutzen dieses Ansatzes beweisen. Führen individuell angepasste Programme tatsächlich zu besserer Adhärenz und langfristigeren Verhaltensänderungen? Die bisherigen Erkenntnisse legen dies nahe, aber kontrollierte Studien stehen noch aus.
Fazit
Diese umfassende systematische Übersichtsarbeit liefert überzeugende Evidenz dafür, dass Bewegungspräferenzen stark von demografischen Faktoren beeinflusst werden. Die Erkenntnisse unterstreichen die Notwendigkeit, von “One-Size-Fits-All”-Ansätzen in der Bewegungsförderung Abschied zu nehmen und stattdessen zielgruppenspezifische Programme zu entwickeln. Junge Menschen profitieren von sozialen, wettkampforientierten Aktivitäten, während ältere Erwachsene gelenkschonende, gesundheitsorientierte Bewegung bevorzugen. Die Integration dieser Erkenntnisse in öffentliche Gesundheitsstrategien könnte einen wichtigen Beitrag zur Steigerung der körperlichen Aktivität in der Bevölkerung leisten. Die hohe methodische Qualität dieser Übersichtsarbeit macht sie zu einer wertvollen Grundlage für evidenzbasierte Entscheidungen in der Gesundheitsförderung und Präventionsarbeit.
Häufige Fragen
Kann ich meine Bewegungspräferenzen im Alter ändern?
Absolut! Während die Studie deutliche Trends zwischen den Altersgruppen zeigt, sind Präferenzen nicht in Stein gemeißelt. Viele Menschen entdecken im Laufe ihres Lebens neue Aktivitäten, die ihnen Freude bereiten. Ein 50-Jähriger kann durchaus Gefallen an intensiveren Sportarten finden, genau wie ein 25-Jähriger Yoga für sich entdecken kann. Wichtig ist, offen zu bleiben und verschiedene Aktivitäten auszuprobieren. Oft ändern sich Vorlieben auch durch veränderte Lebensumstände, neue soziale Kontakte oder gesundheitliche Entwicklungen. Die in der Studie beschriebenen Muster sind Orientierungshilfen, keine starren Regeln.
Was kann ich tun, wenn ich nicht weiß, welche Aktivität mir gefällt?
Ein systematisches Ausprobieren verschiedener Aktivitäten ist der beste Weg, um Ihre Präferenzen zu entdecken. Nutzen Sie Probeangebote von Fitnessstudios, Sportvereinen oder Volkshochschulen. Beginnen Sie mit kostenlosen Aktivitäten wie Walking oder Laufen, um grundlegende Präferenzen zu erkunden. Berücksichtigen Sie dabei Ihre Persönlichkeit: Sind Sie eher gesellig oder bevorzugen Sie Einzelaktivitäten? Mögen Sie Wettkampf oder liegt Ihnen Entspannung mehr? Die verschiedenen validierten Fragebögen, die in der Studie erwähnt werden, können Ihnen dabei helfen, Ihre Präferenzen strukturiert zu erfassen und passende Aktivitäten zu identifizieren.
Sind geschlechtsspezifische Unterschiede biologisch bedingt oder kulturell geprägt?
Die in der Studie beobachteten Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind wahrscheinlich das Ergebnis einer komplexen Wechselwirkung zwischen biologischen und kulturellen Faktoren. Biologische Unterschiede in Muskelaufbau, Hormonprofil und Körperzusammensetzung können gewisse Präferenzen beeinflussen. Gleichzeitig prägen kulturelle Normen, gesellschaftliche Erwartungen und frühe Sozialisationserfahrungen stark, was als “angemessen” für das jeweilige Geschlecht betrachtet wird. Wichtig ist zu verstehen, dass diese Trends nicht bedeuten, dass bestimmte Aktivitäten für ein Geschlecht “verboten” oder ungeeignet sind. Individuelle Vorlieben sollten immer Vorrang vor gesellschaftlichen Erwartungen haben.
Wie wichtig ist es wirklich, eine Aktivität zu finden, die mir gefällt?
Die Bedeutung von Präferenzen für die langfristige Aufrechterhaltung körperlicher Aktivität kann kaum überschätzt werden. Forschungsdaten zeigen konsistent, dass Menschen Aktivitäten, die ihnen Freude bereiten, deutlich länger und regelmäßiger ausüben. Dies führt nicht nur zu besserer körperlicher Fitness, sondern auch zu psychologischen Vorteilen wie erhöhter Motivation und besserem Selbstwertgefühl. Eine ungeliebte Aktivität aus reiner Pflicht zu verfolgen, führt häufig zu Abbrüchen und kann sogar negative Assoziationen mit Sport im Allgemeinen schaffen. Daher ist es durchaus lohnenswert, Zeit und Mühe in die Suche nach einer passenden, freudvollen Bewegungsform zu investieren.
Können Menschen mit geringem Einkommen von teuren Präferenzen profitieren?
Die Studie zeigt, dass Menschen mit geringerem Einkommen oft gemeinschaftsbasierte und angeleitete Aktivitäten bevorzugen – was tatsächlich viele kostengünstige Möglichkeiten eröffnet. Kommunale Sportangebote, kostenlose Outdoor-Aktivitäten, Lauf- oder Walking-Gruppen und Angebote von Krankenkassen können diese Präferenzen erfüllen, ohne das Budget zu belasten. Viele Fitnessstudios bieten zudem Sozialtarife oder vergünstigte Mitgliedschaften an. Online-Plattformen ermöglichen außerdem kostenlosen Zugang zu angeleiteten Workout-Videos. Wichtig ist zu erkennen, dass die sozialen und angeleiteten Aspekte, die diese Einkommensgruppe schätzt, oft auch bei kostengünstigen Alternativen verfügbar sind und sogar besonders stark ausgeprägt sein können.
Quelle
Diese Zusammenfassung basiert auf: Physical activity preferences across demographic groups: a systematic review of population-based evidence and implications for public health and intervention design., veröffentlicht in Frontiers in public health (2025).